Der Horror von Piura

Hallo Lesergemeinde,

dann begrüße ich euch mal zu einem weiteren Retrobericht. Dieses mal schlägt es uns nach Südamerika. Genauer gesagt in die nordperuanische Stadt Piura. Damals, also 2002, hatte ich meiner Erlebnisse in eine E-Mail gepackt und an meine Reisebegleiter geschickt. Leider gibt es diesen E-Mail-Account nicht mehr aber trotzdem erinnere ich mich an die Erlebnisse in Piura als wäre es gestern passiert. Fangen wir ganz einfach von ganz vorne an.

2002 konnte Independiente gegen Boca die Meisterschaft klar machen. Die Ausgangslage war traumhaft. Independiente reichte ein Punkt; Boca musste gewinnen um seine Chancen auf den Titel zu wahren. Mit den Brüdern aus Rinnthal und Olli H wurde der Flieger Richtung Buenos Aires bestiegen. Nach der Meisterfeier von Independiente ging es mit dem Nachtbus nach Lima. Unser dortiges anvisiertes Derby wurde allerdings verschoben. JM zog es nach Bolivien. Den Rest verschlug es nach Kolumbien. Von dort ging es nach Ecuador; allerdings nur noch zu zweit. Olli H blieb schwer verliebt in Kolumbien zurück.

BM und ich konsumierten noch Spiele bei S.D. Quito und L.D.U. de Quito und hatten somit die beiden größten Grounds von Quito in der Tasche. Danach zog es uns nach Guayaquil wo das Derby zwischen Emelec und Barcelona auf uns wartete. Abgemacht war, danach wieder nach Peru zu reisen zu dem genannten Aufstiegsspiel. BM überlegte es sich allerdings kurzfristig anders und wollte noch Barcelona bei einem Coppa Spiel mitnehmen. Man kann es ihm nicht verdenken. Für mich einer der schönsten Grounds in Südamerika und er fehlt mir noch bis heute.

Meine Wenigkeit hatte allerdings keine Lust länger in Guyaquil zu verweilen. Die Stadt; kein Vergleich zu Quito. Auserdem gab es eine Käferplage. Überall waren diese Käfer. Am Busbahnhof angekommen konnte man keinen Schritt unternehmen, ohne ein Knirschen zu hören, da man, ungewollt, einen Käfer durch seinen Schritt ins Jenseits beförderte....

Also von BM verabschiedete und mit einem Bus zur offiziellen Busstation gefahren oder stieg man am Wegesrand zu? So genau weiß ich es nicht mehr; ist ja mittlerweile über 18 Jahr her. Vom Spiel weiß ich allerdings noch alles. Die Busfahrt verlief ereignislos; bis auf den Grenzübertritt nach Peru. Als Einziger Europäer im Bus benötigte ich einen Einreisestempel. Südamerikaner benötigen diesen nicht. Nun galt es dies dem Busfahrer klar zu machen. Steige ich jetzt mit Rucksack aus, könnte der Fahrer denken, ich möchte hier raus. Lasse ich meinen Rucksack im Bus und das Grenzgehampel dauert zu lange fährt der Bus ev. mit Rucksack aber ohne mich weiter. War aber alles kein Problem. Der Beifahrer vom Bus verhalf mir zu meinem Stempel. Mit 2 Dollar "Trinkgeld" konnte man wohl 2 Stunden Wartezeit in 2 Minuten abkürzen.

In Piura angekommen, suchte man sich eine saubere und preiswerte Unterkunft. Buchte allerdings erstmal nur für eine Nacht, da man ev. nach dem Spiel über die Nacht nach Lima zurückfahren wollte.

Am nächsten Tag war es dann soweit. Es war noch früh am Tag. Man erkundete ein wenig die Stadt und lies sich in einem Park nieder. Es war herrliches Wetter. Man genoss sein Brahma und die Sonne. Nichts deutete auf eine dramatische Wendung von diesem Tag hin. Das ich nur wenige Stunden später Angst um mein Leben haben würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Als es Zeit wurde machte man sich zum  Ground um später unfassbares zu erleben.



Aufstiegsspiel zur 1. Liga
Peru
Atletico Grau vs. Club Deportivo Defensor Villa del Mar (Team aus Lima)
Dezember 2002



Am Ground angekommen erwartete einen auf dem Vorplatz zur Haupttribüne das pure Chaos. Der Einlass war durch ein Eisengittertor gesichert. Etliche Eintrittswillige mit regulären Karten wurde der Eintritt verwehrt. Manchmal ging das Eisengittertor auf, um Einzelnen hereinzulassen und sofort drängte die Masse. Vereinsoffizielle prügelten dann mit Eisenstangen auf die Massen ein. Auch mir, meinen Ausweis durch die Gitterstäbe, die rechts und links neben dem Eisengittertor waren, gezeigt, wurde der Eintritt verweht. Unerhört. Einen Journalisten, extra aus Europa angereist, an seiner Arbeit zu behindern? Anscheinend hatte der Verein das große Geld gewittert und wesentlich mehr Karten verkauft, als er eigentlich durfte.

Man schaute sich das Spektakel an dem Eingang noch eine Weile an. Als die ersten Verletzten, von der Eisenstange getroffen oder zwischen das Tor geraten, wegtransportiert wurden, war klar. Hier kommt man nicht rein. Was also tun? Man erkundigte den restlichen Ground. Eine Lücke gibt es ja bekanntlich überall. Beim Erkunden traf man auf ein Kamerateam aus Lima. Auch die Kollegen waren über die Zustände mehr als entsetzt und hatten das gleiche Problem. Gemeinsam machte man sich auf die Suche und fand eine Tür. Klopf, klopf und schon war man drin in der Bude.





Das Teil war gut gefüllt und das Volk in Partylaune. Alle Zutaten für ein schönes Fußballfest.

















Die Gegengerade übervoll aber noch friedlich und auch in Partylaune.













Nach dem Spiel kippte die Stimmung und aus einem schönen Fußballfest wurde der blanke Horror. Atletico Grau vergeigte es.  0-0 und es wäre wohl ein Sieg von Nöten gewesen.









Zuerst flogen Steine von der linken Seite auf die Haupttribüne. Nicht schön; vor allem wenn die Steine richtig groß sind. Dann wurden auch Steine von der rechten Seite auf uns geschmissen.  Es waren keine Gäste im Stadion? Auf wen schmeißen die eigentlich? Und da wurde es mir klar. Die drehen total durch......Auf der Gegengerade wurde der Zaun umgeknickt und die Jungs stürmten aufs Spielfeld.










Absolutes Chaos. Steine von links, Steine von rechts und was die anstürmende Masse vorhatte wusste man nicht; ahnte es aber..... Man flüchtete erstmal in den Vorraum. Erst da erlebte man das wahre Ausmaß. Noch immer standen Hunderte wütender Fans vor dem noch verschlossenen Eisengittertor und waren extrem sauer. Erstens, da ihr Verein, Atletico Grau es vergeigt hatte und Zweitens, weil man trotz regulärer Eintrittskarte nicht rein durfte.

Ein Teil lieferte sich Straßenschlachten mit der Staatsmacht. Ein anderer Teil versuchte das Eisengittertor aufzubrechen und andere schmissen Steine und Flaschen über die Mauer. Also; links und rechts Mauer; Mitte Eisengittertor.

Wer in Physik gut aufgepasst hat, der weiß, dass wenn man sich an die Mauer presst, einen die Gegenstände, die über diese Mauer geschmissen werden, nicht treffen können. Psychologisch ist es aber so, dass man doch Angstscheiß produziert, sieht man die Masse an Steinen, die geschmissen werden.  Wenn dann noch paar Meter gegenüber ebenfalls eine Mauer steht und die geschmissenen Steine daran abprallen und vor deine Füße kullern......Und wenn dann noch die Steine Faustgroß sind; dann stellt man sich die Frage. Warum habe ich keine Frau und Kinder und gehe sonntags in den Zoo; anstatt zum Fußball zu fahren.......






Lange darüber nachdenken konnte ich allerdings nicht. Die Verrückten waren kurz davor, das Eisengittertor aufzubrechen. Was dann passieren würde? Keine Ahnung aber der Mob war außer Rand und Band und ich als Kontinentaleuropäer mit Brille, gleichbedeutend mit Wohlhabend, sicherlich ein Opfer.

Die Lage kurz vor der Eskalation. Steine prasselten und das Eisentor kurz vorm Aufbruch. Von Angst getrieben suchte ich einen Zufluchtsort. Ins Stadion zurück und aufs Feld wollte ich nicht; zu chaotisch die Lage. Man fand eine Holztür. Klasse; dass Tor zur Rettung? Ne, war nur die Tür zu den sanitären Einrichtungen. Als ich die Tür öffnete bot sich mir ein Bild des Jammers.

Ältere Menschen, die weinten und Kinder, die natürlich auch weinten. Dazu noch 2 völlig ratlose Polizisten. Einem Jungen strich ich über den Kopf, versuchte Trost zu spenden und murmelte "loco, loco" (verrückt, verrückt).

Und ja, die Verrückten da draußen hatten es geschafft und das Eisentor aufgebrochen. Was jetzt folgte, waren die wahrscheinlich schlimmsten Minuten in meinem noch so jungen Leben. Der Mob versuchte die Tür zu unserem Zufluchtsort aufzubrechen. Man muss sich das wirklich so vorstellen, wie im Mittelalter, als man mittels Rammbock das Tor zur Burg aufbrechen wollte. Beide Polizisten stemmten sich mit Ihrem Gewicht gegen die Tür und signalisiert mir, dass ich helfen solle.

Leute; ich konnte nicht helfen. Hätte ich Darmdruck gehabt, hätte ich mir wahrscheinlich vor Angst in die Hosen geschissen. Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass die zwei kräftigen Polizistenkörper die Holztür schon kräftig verteidigten. Was hätte mein schmächtiger Körper da noch helfen können? Was würde wohl passieren, wenn dem Mob der Aufbruch gelingt? Würden die uns todprügeln oder steinigen...? Mein bisheriges Leben zog im Schnelldurchgang in meinem Kopf an mir vorbei.

Plötzlich hörten wir Schüsse? War der Mob sogar bewaffnet? Glücklicherweise nicht. Die Tür ging auf und Militärpolizei zog uns ins Freie. Das war erstmal schön und zugleich äußerst unangenehm, da alles voller Tränengas war. Die Millitärpolizei hatte den wütenden Mob wohl mit Warnschüssen und ordentlich Tränengaseinsatz vertrieben.

Unsereins flüchtete auf das Spielfeld. Der grüne Rasen beherbergte mehre Menschen, die sich kräftig aushusteten oder auch den Mageninhalt entleerten. Der Rasen war übersäht mit Steinen.

Nach einiger Zeit traute man sich wieder raus. Im Stadionkomplex war alles ruhig. Auf dem Vorplatz tobte allerdings weiter der Krieg. Wütender Mob gegen gepanzerte Fahrzeuge der Staatsmacht.

Gegenüber dem Vorplatz zum Stadion gab es einen Biergarten, der sogar geöffnet hatte. Todesmutig durchquerte ich die Kampflinie mit dem Ziel Biergarten. Mehrere Schaulustige tranken ihr Bier und schauten sich das Spektakel auf dem Vorplatz an. Auch ich gönnte mir auf den ganzen Schrecken erstmal ein Pivo.

Danach suchte man sich auf der Straße ein Taxi. Seitenscheibe war hinüber und Glassplitter auf dem Beifahrersitz aber egal; Hauptsache weg von hier. Auf der Fahrt zur Unterkunft sah man noch eine Gruppe Jugendliche, die einen Tannenbaum (Weihnachten stand kurz vor der Tür) in eine geschlossenen Tankstellenscheibe wuchteten. Dahinter 2 Militärpolizisten, erkennbar an den weißen Armbinden, die Warnschüsse in die Luft abgaben; loco......

An der Unterkunft angekommen, verabschiedete man sich von der Gastgeberin; man hatte wirklich keine Lust mehr eine weitere Nacht in dieser Stadt zu verbringen.

Die Busse nach Lima, zumindest die Comfortklasse, waren natürlich durch die anwesenden Journalisten aus Lima, alle ausgebucht. Klasse; also war Holzklasse angesagt aber es waren über die Nacht ja nur 1.200 Kilometer.....Hauptsache raus aus Piura.

In Lima angekommen ging es mit dem Taxi direkt ins Viertel Miraflores, wo ich mich mit BM wieder treffen wollte und wo wir auch schon übernachtet hatten. Allerdings ließ ich die Herberge, Geheimtipp vo Olli H. aus dem Lonley Planet (Warum eigentlich Gehemitipp, wenn im Lopnley Planet veröffentlich?) links liegen und suchte eine brauchbarere Herberge, die auch gefunden Wurde. 8 Dollar das Einzelzimmer. Bad mit 3 (in Worten DREI) Wasserhähnen. Kalt, Warm und Heiß. Dazu Balkon Südseite und, durch Zufall entdeckt, FSK 18 Sender. Wirklich beim durchklicken zwischen Tom&Jerry entdeckt. Ohne Aufpreis.....

Am nächsten Tag tippte man in einem Internetcafe seine Erlebnisse in die Tastatur und lotste BM zur neuen Unterkunft.

ENDE

Wer jetzt glaubt, diese Geschichte ist übertrieben und bla, bla, blubb. Wer meinen Blog kennt, der weiß, dass es vermieden wird Spiele "schönzureden" nur weil man live vor Ort war. War das Spiel nicht die erhoffte "Bombe" wird das auch klar kommuniziert. Mit den Begriffen "Weltklasse" und/oder "brachial" wird äußerst sparsam umgegangen.

Fahre seit über 35 Jahren zum Fußball. Seit 1994 auch international abseits vom Stammverein (den man aktuell kaum noch besucht). Die Minuten, als der Mob versuchte die Tür zu den sanitären Einrichtungen aufzubrechen, in denen wir uns verschanzt hatten, waren die schlimmsten Minuten in dieser Karriere......















24.11.2002 18:04 Uhr C.A. Independiente CAMPIONE



Willkommen zur ersten Bilderstorie und ein paar Worte vorab, um die Bilder Richtig zu verstehen und deuten zu können.

Wir schreiben den 24.11.2002. Vorletzter Spieltag der Apertura in Argentinen. Independiente hat 3 Punkte Vorsprung vor Boca. Boca muss unbedingt gewinnen, um seine Meisterchancen zu wahren. Independiente genügt ein Unentschieden.

Gibt es eine bessere Ausgangslage.?

Das Stadion Estadio Libertadores de América im Stadtteil Avellaneda mit 55.000 (positiv) Verrückten war restols ausverkauft. Eines meiner Lieblingsstadien mit einer genialen Auswärtstribüne. Schätze mal, da passen zwischen 10.000 und 12.000 Hinchas drauf. Boca machte die Tribüne voll, so voll, dass keine Maus mehr drauf passte.

Den Ground in der heutigen Form gibt es leider nicht mehr. 3mal besuchte man den alten Tempel. Unter anderem beim Derby gegen Racing und eben der Meisterfeier gegen Boca.

Boca ging in Minute mit 0-1 in Führung. Der Boca-Block, maximal 10 Wellenbrecher für 12.000 Fans, gut am abrocken. Aber kein Vergleich zu dem, was in Minute 86 passierte. Der 1-1 Ausgleich und praktisch die Meisterschaft von Independiente.

Der Boca-Block rockte erst wieder nach Schlusspfiff. Die Staatsmacht musste die Fans mit Gummigeschossen und Tränengas aus dem Block schießen und verhindern, dass schlimmeres passiert.

Die Diablos Rojos (Rotev Teufel), so der Spitzname von Independiente, am feieern.

Und wir...? Glücklich bei dieser Meisterfeier live dabei gewesen zu sein.


24.11.2002 16:12 Uhr C.A. Independiente  vs.  Boca Juniors



24.11.2002 18:04 Uhr C.A. Independiente 

CAMPIONE


 










































Anbei noch 2 Videos



Torjubel von Boca und Independiente

 

Vorankündigung




Wie versprochen werden in den nächsten Tagen einige Retroberichte und Bilderstories den Blog verschönern.




BILDERSTORIE

Meisterfeier von Independiente gegen Boca 2002




RETROBERICHT

Länderpunkt Peru. Der Horror in Piura




BILDERSTORIE

Salerno. Das beste was Campanien zu bieten hat




BILDERSTORIE

Tunesien vor der Krise




RETROBERICHT

Die größte Fankarawane Griechenlands zum Pokalendspiel nach Athen





Ob noch weitere Retoroberichte oder Bilderstories hinzukommen, hängt davon ab, wie lange noch der Ball ohne Zuschauer über den Rasen rollt.

Ein paar Worte zum Virus....



Ja, es ist schlimm und ja, Fußballspiele ohne Zuschauer sind Horror.

Aber jammern wir nicht alle auf einem hohem Niveau...?

Wir müssen ein paar Monate ohne Fußball auskommen. Haben trotzdem ein Dach über dem Kopf, satt zu essen und zu trinken und müssen im Winter nicht frieren. Haben in einem reichen Industrieland das Licht der Welt erblickt und sollten aufhören zu jammern; bevor es lächerlich wird.....

Um meinen Blog in der fußballlosen Zeit mit etwas Leben zu füllen, wird es einige Retroberichte und Fotostories geben.


Zuvor aber auch von meiner Seite ein paar Worte zur der aktuellen Corona-Krise.

Man wird von Informationen geflutet und weiß nicht wirklich, was oder wem man alles glauben soll? Selbst die Virulogen sind sich uneins über die weitere Vorgehensweise. Fakt ist nur; die Politik hat erbärmlich versagt.

OK; ein Virus in einer globalisierten Welt aufzuhalten ist schwierig.
Aber schon im Dezember 2019 gab es erste Warnungen. Im Januar 2020 hätte man noch reagieren können; es wurde verharmlost....

Im Prinzip geht es doch nur darum, die Kurve der neu infizierten möglichst flach zu halten, damit unser Gesundheitssystem nicht kollabiert.

Apropo Gesundheitssystem. Was wir in Italien gesehen und vor allem noch in den USA sehen werden, ist die Folge einer freien Marktwirtschaft, ohne soziale Eingriffe von Staatsseite. Auch unser Gesundheitssystem wurde Gnadenlos dem Profit untergeordnet. In Italien nach der Finanzikrise 2008. 

In den USA brauchte es keine Finanzkrise; dort wurde schon eh und jeh alles dem Profit untergeordnet. Eigenverantwortung nennen es die Jünger von Keynes....

Als ich die Bilder vom Bundestag sah`; alle standen auf und waren am klatschen, hätte ich in den Monitor brechen können. Genau diese Leute, die Verantwortlich dafür sind, dass solche, für uns systemrelevanten Berufe, dermaßen mies entlohnt werden, applaudieren als Wertschätzung; an Zynismus nicht mehr zu unterbieten.

Klatscht nicht; bezahlt diese Menschen endlich ordentlich. Krankenschwestern- und Pfleger. Straßenbahnfahrer- und Omnibusfahrer, Müllentsorger, Polizisten, Kindergärterinnen, usw.
Ja; für uns sind diese Menschen mit Ihren Berufen SYSTEMRELEVANT und keine Investementbanker, die ganze Volkswirtschaften aus Profitgier in den Ruion treiben können oder Vermögensberater, die unser Geld verzocken. Schon mal überlegt, wen wir mehr vermissen würden....?


Leider fehlt mir der Glaube, dass sich nach der Krise etwas verändert.

Und der Fuißball? Der zeigt mal wieder seine häßliche Fratze. Verzweifelte Maßnahmen der Profiligen, dieses mutierte Geldball-Konstrukt in seiner pervertierten Form am Leben zu halten. Von der Basis, dem einfachen Fan, hat man sich schon weit entfernt aber von den Geldtöpfen der TV-Übertragungen, da möchte man keinen Millimeter weichen. 

Klangvolle Namen von Erstligavereinen könnten bei einem Saisonabbruch in die Inslovenz schlittern. Ähm; und Risikovorsorge...? Spielern, die den Ball geradeaus kicken können, bläst man Millionen in den Anus und Rücklagen für unvorhergesehene Einnahmeausfälle...? Fehlanzeige....?

Das ist ja ähnlich wie bei Zombiefirmen, die eigentlich nicht überlebensfähig sind. Die werden aber von der FED oder EZB gerettet, die jetzt auch Junk-Bonds aufkaufen. Vielleicht mal bei der FED anfragen; die haben bestimmt noch ein paar Scheine bedrucktes Papier übrig; Notenpresse läuft auf hochtouren.

Ist schon eine verrückte Welt in der wir leben. DAX-Konzerne schicken ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit. Wer bezahlt die Kurzarbeit? Der Staat; also wir alle. Die gleichen DAX-Konzerne schütten Dividende aus. Wer bekommt die Dividende? Auch wir alle. Nö; nur die Anteilseigener. 

Nicht falsch verstehen; Aktien sind eine vernünftige Geldanlage. Allerdings sollte man als Anteilseigener von einem Unternehmen auch die Risiken teilen.

Ja; auch ich bin dafür, dass wir die Lufthansa retten. Aber liebe Lufthansa. Lasst doch zukünftig diese "tricksereien" mit Tochtergesellschaften in Steueroasen. Ja; das machen alle DAX-Konzerne. Die Bescheißen uns auch; aber ihr wollt ja schließlich von uns gerettet werden


Kommen wir zurück zum Fußball.

Ist Fußball Systemrelevant? Für mich nicht. Eigentlich zeigt er nur ein Abbild, wie es heutzutage aussieht. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. Krankenpfleger, Müllentsorger, Straßen und Omnibusfahrer, Polizisten, Kassierinnen und Kassierer an der Supermarktkasse und viele andere unterbezahlten Beruftsgrupen sind für mich Systemrelevant; Fußball ist nur die schönste Nebensache der Welt......

Natürlich wird die erste und zweite Liga nicht abgebrochen; da steht einfach zuviel Geld auf dem Spiel.

Macht euch schonmal Gedanken, was ihr euren Kindern, wenn ihr welche habt, erklärt warum 22 Wohlstandsmillionäre einer in Leder gehüllten Schweinsblase hinterherren dürfen, ohne Mundschutz und Abstandsregeln einzuhalten, und wir nur noch mit Mundschutz einkaufen oder öffentliche Räume betreten dürfen.

Viel Spaß.
 
Bis 31.08.2020 sind alle Großveranstaltungen in Deutschland abgsagt.
Aus diesem Grund im nächsten Post der Hinweis auf meine "Retroberichte und Bilderstories". 
Interessanter wie jedes "Geisterspiel

Pyrovirus in der goldenen Stadt

Hallo Lesergemeinde,

was für eine Kfz-Besatzung und alles für den Fußball. So eine Zusammenstellung gab es schon über 15 Jahre nicht mehr. Es ging ins gelobte Land und weder Uwe, noch ich, mussten das Steuer ergreifen. JM, der ein paar Wochen in Deutschland weilte, stellte sich als Fahrer zur Verfügung. Dafür nochmals vielen Dank.

Das Derby in Prag fand erst sonntags statt. Da man aber samstags noch unterklassigen Fußball bewundern wollte, ging die Reise im noblen Mietauto von JM, mit dem Stern auf der Haube, bereits freitags los. Kurz vor der Grenze wurde dann preisgünstig in Mitterteich übernachtet.

Am nächsten Tag stand dann folgendes Programm auf der Tagesordnung.

Morgens kickte Chumotov vor ca. 110 Zuschauern in ihrem neuen Ground gegen Brandys n.L. Vor knapp 20 Jahren, am 12.09.2000, besuchte man Chumotov im alten Ground und traf Sparta Legende "Otto". Lange ist es her.....Der alte Ground hatte Charm; der neue....? 











 








Später trat der SSC Bolevec gegen SK Slavia Vejprnice gegen das runde Leder. Allerdings nich in ihrem Heimatground, den man schon hatte. JM fuhr uns hin, um dann wieder im Hotel zu arbeiten. Zuerst Zuversicht bei Uwe und mir. Dann Zweifel und dann blankes Entsetzen; es gab keinen Ausschank. Noch nie erlebt in Cz. Die "Alkoholiks Bolevec" konnte uns aber mit flüssigem versorgen und 20 Minuten nach Anpfiff wurde auch der verlassene Grill zum Leben erweckt, was zumindest bei den ca. 10 Deutschen unter den ca. 60 Zuschauern für Begeisterung sorgte. Flüssiges gab es in Dosenform. Alles wurde gut.









Abends dann noch Viktoria vs. Budweis. Hatte man zwar schon aber für 11 Euro für die HT-Karte. Kann man mitnehmen. JM holte uns von dem Bolevec Kick wieder ab, Kfz am Hotel abgestellt und dann die paar Meter zum Ground. Ca. 200 Gästefans unter den 8.301 sportbegeisterten Zuschauern. Preise für Speiß und Trank alles im grünen Bereich. Im Stadion stehen Tischkicker kostenneutral zur Verfügung. Für die Jüngeren Play Stations zum zocken. So zieht man sich seinen Nachwuchs. Die zweite Halbzeit verbrachte man bei Speiß und Trank und kickern, um wieder mal festzustellen, dass Uwe im kickern nicht zu schlagen ist.....




Nach dem Kick lies man den Abend gemütlich ausklingen.






Bevor es am nächsten Tag nach Prag ging, besuchte man noch Vikoria B. Die kickten zwar nicht auf ihrem genialen Hauptplatz aber es war schönes Wetter und flüssiges gab es auch. Zwar nur in Dosenform aber man möchte sich nicht beklagen.






Dann ging es in die goldene Stadt. Das Kfz wurde im Kaufhausparkplatz gegenüber abgestellt. Im Hotel Eden lies man sich nieder. Das Hotelpersonal oder der Brecki-Clone konnten uns dieses mal nicht mit Karten versorgen. JM hatte Arbeitskarte. Uwe schaute sich vorm Stadion um und besorgte günstig 2 Karten hinter dem Tor. Vom gleichen Kartenhändler wie bei unserem Derby mit Sparta Heimrecht. Mit den Karten konnte man sich auch auf die Haupttribüne vorarbeiten. Alle Ordner freundlich; alles kein Problem.





Für das Derby lasse ich dann die Bilder sprechen.

Die offizielle Zuscherzahl lag bei 19.370. Gäste ca. 1.200.


Derby Prag

 

Slavia Prag  vs.  Sparta Prag

 

08.03.2020

 


 

 

 

 



 






Fazit: Top Tour mit 5 Spielen, 3 neuen Grounds und einem Derby. Zum damaligen Zeitpunkt ahnte noch Niemand, dass diese Derby für lange Zeit eines der letzen Spiele, welches man live im Stadion verfolgen konnte, gewesen war......

Reclaim the Game

Unterwegs die Welt der Fußballfans zu entdecken


In diesem Blog werden Euch Videos und Bilder von interessanten Fußballspielen in Europa und auch ausserhalb Europas präsentiert.

Dabei geht es weniger um das geschehen auf dem grünen Rasen, wo 22 Akteure versuchen eine in Leder gehüllte Schweinsblase in das gegnerische Tor zu bugsieren; es geht um das geschehen auf den Rängen.


Präsidenten kommen und gehen; Trainer kommen und gehen; Spieler kommen und gehen.


WIR Fans bleiben immer; denn WIR bilden den Verein


Viel Spaß




In zwanzig Jahren wirst Du mehr enttäuscht sein über die Fußballspiele die Du nicht gesehen hast, als über gesehene Fußballspiele, die Dich entäuscht haben.